Yin Yin - Yatta!
Mit "Yatta!" legt YĪN YĪN ihr viertes Studioalbum vor und bleibt sich dabei treu. Wer das Quartett aus den Niederlanden bislang verfolgt hat, weiß, dass hier keine ironische Retro-Show betrieben wird. Die Band hat echtes Forschergeist und gräbt sich seit Jahren durch globale Klangwelten. Vor allem in psychedelische Gitarrenmusik aus Südostasien der sechziger und siebziger Jahre haben sie sich verliebt. Für sie sind alte Compilation-Alben kein alter Folklore, sondern eine Quelle für Neues.
Für YĪN YĪN ist Instrumentalmusik ein offener Raum. Kein Text steht im Vordergrund und stört die Bilder. Stattdessen macht er Soundtracks für Traumreisen, imaginäre Filme und persönliche Assoziationen. Jeder Hörer hat seine eigenen Geschichten.
Yatta! kam am 23. Januar 2026 raus und folgt auf Mount Matsu aus dem Jahr 2024. Der Titel kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "Wir haben es geschafft". Ein Ausruf der Erleichterung und des Triumphs, der gut zur Grundstimmung des Albums passt.
Wie schon beim Vorgänger ist das erklärte Ziel klar: Bewegung. YĪN YĪN wollen keine verkopfte Weltmusik machen, sondern Musik, die Körper in Schwingung versetzt.
Yatta! ist bewusst organisch angelegt. Die Band hat alle Songs gemeinsam live im Studio eingespielt. Schlagzeug, Bass und Gitarre sollten nicht in einzelne Takes aufgenommen werden. Stattdessen echte Interaktion im Raum.
Man hört es. Das Album atmet. Es hat Dynamik, kleine Reibungen, spürbare Energie. Genau dieses Live-Gefühl sorgt dafür, dass die Grooves nicht wie vom Band klingen, sondern lebendig wirken.
Stilistisch verbinden YĪN YĪN Disco, Funk, Surf und Psychedelie zu einem echt erstaunlich kohärenten Gesamtbild. Südostasiatische Motive sind kein exotischer Anstrich, sondern gehören einfach zur Struktur der Songs.
Die Platte ist tanzbar, ohne flach zu werden. Groove, Nostalgie und psychedelische Weite sind im perfekten Gleichgewicht. Wer reine Surf-Alben schnell eindimensional findet, wird bei diesem Album genug Abwechslung und Tiefe finden.
Hier sind ein paar der besten Songs:
Der Opener "In Search of Yang" beginnt mit einem Sample von Alan Watts. Er erklärt darin, dass es kein Yang ohne Yin und kein Yin ohne Yang gibt. Ein programmatischer Einstieg. Musikalisch geht's direkt weiter mit einer fröhlichen Disco-Nummer, die zeigt, wo's langgeht.
Der Song ist echt lecker, groovt massiv und kombiniert Surfgitarre mit Italo-Disco-Vibes. Rückwärts laufende Gitarreneffekte sorgen für einen coolen, trippigen Vibe. Die Mischung funktioniert echt gut und ist nie langweilig.
Kasumi's Quest lebt von einer geheimnisvollen, auf- und absteigenden Synthesizer-Figur. Der Track klingt wie der Soundtrack zu einem alten Computerspiel. Man fühlt sich wie auf einer schwierigen Mission tief in einem Dungeon.
"Night in Taipei" ist die ruhige, atmosphärische Ballade des Albums. Der Song erinnert an einen warmen, duftenden Abend in der taiwanesischen Hauptstadt. Eine kleine Pause, um mal durchzuatmen, wenn die Musik gerade so richtig abgeht.
"Pattaya Wrangler" – das klingt nach einem Spaziergang bei Sonnenuntergang. Ich stelle mir gerade goldene Strände in Thailand vor. Und das Fernweh ist auch inklusive.
Mein Fazit:
Yatta! ist kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. YĪN YĪN schärfen ihr Profil zwischen globaler Referenz und tanzbarer Gegenwart weiter aus. Wer auf der Suche nach einer Platte ist, die gleichzeitig leichtfüßig und detailverliebt ist, wird hier fündig. Wenn du im Januar 2026 einen Soundtrack für graue Tage brauchst, ist "Yatta!" eine ziemlich sonnige Antwort.