Andy Gillmann - Acoustic Impulse
20.02.2026 | Dennis Gerke
JazzSick Records, VÖ 20. Februar 2026, CD, LP und digital.
Andy Gillmann ist eigentlich Schlagzeuger, und zwar einer mit langer Vita als Dozent und Sideman. Seine Lehrbücher und Lehrvideos sind in Europa weit verbreitet, als Begleiter hat er unter anderem mit Gitte Haenning, Marla Glen und Harald Schmidt gearbeitet. Mit Acoustic Impulse legt er nun sein erstes Soloalbum vor. Die Besetzung ist ungewöhnlich genug, um aufhorchen zu lassen: Klavier (Benjamin Schaefer), Akkordeon (Heinz Hox), Kontra- und E-Bass (Ralf Cetto) und Gillmann selbst am Schlagzeug. Auf vier Stücken kommt der Gypsy-Gitarrist Joscho Stephan dazu, dessen akustische Gitarre dem Album einige seiner besten Momente schenkt.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen akustischem Jazz, Tango, Latin und Musette. Neben Gillmanns eigenen Kompositionen gibt es Bearbeitungen von Astor Piazzolla, Richard Galliano und Édith Piaf. Genau in diesen Grenzbereichen liegt die Stärke der Platte. Der Opener macht sofort klar, wohin die Reise geht: eine einprägsame Melodieführung mit deutlichem Latin-Einschlag, ein Ensemble, das mühelos zwischen den Abschnitten wechselt und dabei nie den Faden verliert. Solche Momente gibt es viele. Der flotte Tango am Ende der A-Seite gehört dazu, ebenso die beiden Latin-Nummern auf der B-Seite, bei denen das Akkordeon im Fokus steht und zeigt, warum diese Besetzung so gut funktioniert.
Überhaupt das Akkordeon: Heinz Hox spielt es als Klangfarbe, die Raum aufmacht. In den ruhigeren Stücken, wenn das Tempo rausgenommen wird, das Ride-Becken flächig trägt und die warmen Toms den Boden legen, entsteht eine Atmosphäre, die man von einem Schlagzeuger-Album vielleicht nicht als Erstes erwartet. Dazu kommen starke Soli, mal vom Klavier, mal von Joscho Stephans Gitarre, die durchweg virtuos, aber nie selbstverliebt klingen.
Nicht alles auf dem Album erreicht dieses Niveau. Zwei, drei Stücke bleiben im Bereich des soliden, aber austauschbaren Jazz hängen. Technisch ist auch hier alles auf höchstem Level gespielt, aber die Melodien sind weniger eingängig, und ohne die Latin- und Tango-Elemente fehlt der Musik das, was sie an anderer Stelle besonders macht. Das sind keine Ausfälle, aber es sind die Momente, in denen man merkt, wie sehr das Album von seinen Crossover-Ideen lebt.
Klanglich gibt es dagegen nichts zu meckern, im Gegenteil. Eingespielt wurde das Album an zwei Tagen im Topaz Studio in Köln, hinter dem Pult saß Reinhard Kobialka. Das Ergebnis klingt außerordentlich differenziert, jedes Instrument hat seinen Platz, nichts verschwimmt. Auf Vinyl kommt das wunderbar zur Geltung, die Pressung gehört zum Besten, was mir in letzter Zeit auf den Teller gekommen ist.
Die Aufmachung kann da leider nicht mithalten. Das Cover ist in Ordnung, mehr aber auch nicht, das Vinyl ist schlicht schwarz, und eine bedruckte Innenhülle gibt es nicht. Für ein Album, das klanglich so viel Sorgfalt zeigt, ist das Packaging erstaunlich lieblos. Wer Vinyl auch als Objekt schätzt, wird hier nicht viel zum Anschauen bekommen.
Unterm Strich bleibt ein Album, das seine besten Karten immer dann ausspielt, wenn es den geraden Jazzweg verlässt und sich in Richtung Tango und Latin bewegt. Dort steckt Acoustic Impulse voller Spielfreude und einem Ensembleklang, der süchtig machen kann. Das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Debüt ist aber, wie sehr sich der Bandleader zurücknimmt: Gillmann nutzt sein erstes eigenes Album nicht als Bühne für sein Instrument, sondern als Rahmen für seine Band. Wer akustischen Jazz mit südamerikanischem und französischem Einschlag mag, sollte reinhören. Am besten auf Vinyl, trotz der nüchternen Verpackung.
Transparenz: Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar des Labels. Das hat keinen Einfluss auf die Bewertung.